Fachkräftemangel in der Industrie in ganz Europa

In vielen europäischen Ländern weisen Industrieunternehmen seit mehreren Jahren auf ein wachsendes Problem hin: den Mangel an qualifizierten Schweißern und Stahlbaumonteuren. Dieses Phänomen betrifft nicht nur einzelne Märkte, sondern ist sowohl in Westeuropa als auch in Mittel- und Osteuropa sichtbar.

Laut dem Bericht EURES Report on Labour Shortages and Surpluses in Europe gehören Schweißer zu den Berufen, in denen in 23 europäischen Ländern ein Fachkräftemangel festgestellt wurde. Ähnliche Probleme betreffen auch Berufe im Bereich der Vorbereitung und Montage von Metallkonstruktionen, die in 18 Ländern als Mangelberufe gelten.

In der Praxis bedeutet dies, dass der Mangel an Fachkräften in diesen Berufen zu den am weitesten verbreiteten Engpässen auf dem europäischen Arbeitsmarkt gehört. In den Analysen von EURES erscheinen schweißtechnische Berufe in den Listen der häufigsten Fachkräfteengpässe neben Berufen wie Pflegefachkräfte oder Beschäftigte im Gesundheitswesen.

Gleichzeitig gibt es keine einheitliche offizielle Zahl, die das Ausmaß dieses Mangels in ganz Europa genau beschreibt. Die verfügbaren Daten verschiedener Institutionen zeigen jedoch deutlich, dass es sich um ein strukturelles und langfristiges Problem handelt.

 

Alternde Belegschaften in industriellen Berufen

Einer der wichtigsten Gründe für den Fachkräftemangel ist die Altersstruktur der Beschäftigten in industriellen Berufen.

In vielen europäischen Ländern haben zahlreiche Schweißer und Monteure ihre Qualifikationen bereits in den 1990er-Jahren oder zu Beginn der 2000er-Jahre erworben. Heute nähert sich ein großer Teil dieser Fachkräfte dem Rentenalter.

Prognosen der europäischen Agentur Cedefop zeigen, dass bis zum Jahr 2035 rund 4 Millionen Beschäftigte in Berufen im Bereich Metall, Maschinenbau und industrieller Produktion ersetzt werden müssen. Selbst wenn die Gesamtbeschäftigung in diesen Berufen nicht stark wächst, wird allein der Generationenwechsel eine große Zahl neuer Fachkräfte erfordern.

Gleichzeitig war die Zahl junger Menschen, die sich für eine berufliche Ausbildung im industriellen Bereich entscheiden, in vielen Ländern über Jahre hinweg niedriger als der tatsächliche Bedarf der Wirtschaft.

 

Wachsende Investitionen in Energie und Infrastruktur

Ein weiterer Faktor für die steigende Nachfrage nach Schweißern und Stahlbaumonteuren ist die wachsende Zahl industrieller Projekte in Europa.

In den letzten Jahren betreffen viele Investitionen vor allem:

  • Verkehrsinfrastruktur
  • Energieerzeugung
  • Schiffbau
  • Offshore-Projekte
  • Ausbau von Stromnetzen und erneuerbaren Energien

Die Energiewende in Europa sowie der Ausbau von Offshore-Windparks führen zu einer steigenden Zahl von Projekten, bei denen große Stahlkonstruktionen benötigt werden. Dadurch steigt die Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften in mehreren Industriezweigen gleichzeitig.

Arbeitsmarktanalysen zeigen, dass sich die Fachkräfteengpässe im Bauwesen und in der metallverarbeitenden Industrie in Europa innerhalb der letzten zehn Jahre deutlich verstärkt haben.

 

Polen, Deutschland und Norwegen – unterschiedliche Märkte, ähnliche Herausforderungen

Obwohl der Fachkräftemangel in industriellen Berufen in vielen europäischen Ländern auftritt, unterscheiden sich seine Ursachen und seine Intensität je nach Wirtschaftsstruktur.

 

Polen

In Polen werden Schweißer und Stahlbaumonteure seit Jahren als Mangelberufe im Barometr Zawodów aufgeführt – einer landesweiten Arbeitsmarktprognose.

In der Prognose für das Jahr 2026 wurden diese Berufe in vielen Regionen des Landes als defizitär eingestuft, insbesondere in Gebieten mit starker industrieller Produktion und im Industriebau.

Zudem entscheiden sich zahlreiche qualifizierte Fachkräfte aus Polen für Projekte im Ausland, wo die Vergütung in vielen Fällen höher ist.

 

Deutschland

In Deutschland gehört der Mangel an qualifizierten Fachkräften in der Industrie zu den wichtigsten Herausforderungen des Arbeitsmarktes. Analysen der Bundesagentur für Arbeit weisen auf anhaltende Engpässe in zahlreichen industriellen und handwerklichen Berufen hin.

Verschiedene Studien zeigen, dass in der deutschen Wirtschaft mehrere hunderttausend qualifizierte Fachkräfte fehlen. Zu den Berufen, in denen Unternehmen besonders häufig Rekrutierungsprobleme melden, gehören auch Tätigkeiten im Bereich Stahlbau, Energieanlagenbau und Industriebau.

Ein zusätzlicher Treiber ist der Ausbau der Energieinfrastruktur, darunter Offshore-Windprojekte in der Nord- und Ostsee, die einen hohen Bedarf an Fachkräften im Bereich Stahlkonstruktionen und Schweißtechnik verursachen.

 

Norwegen

Norwegen gehört zu den Ländern mit einem besonders hohen Bedarf an qualifizierten Industriearbeitern im Verhältnis zur Größe des Arbeitsmarktes.

Laut der NAV-Unternehmensbefragung 2025 meldeten norwegische Unternehmen einen Mangel von etwa 39.000 Arbeitskräften in verschiedenen Branchen. Zu den Berufen, die besonders schwer zu besetzen sind, zählen auch Schweißer und Beschäftigte im Bereich Metallkonstruktionen.

Der Bedarf ist besonders stark in Branchen wie der maritimen Industrie, im Energiesektor sowie bei Offshore-Projekten.

 

Automatisierung verändert die Arbeit, ersetzt sie aber nicht

In vielen Industrieunternehmen gewinnen Schweißroboter und automatisierte Produktionslinien zunehmend an Bedeutung. Automatisierung verändert jedoch vor allem die Art der Arbeit – sie reduziert nicht grundsätzlich den Bedarf an Fachkräften.

Schweißroboter werden hauptsächlich in der Serienproduktion eingesetzt. Bei vielen industriellen Projekten – etwa bei Stahlkonstruktionen, Rohrleitungen oder Energieanlagen – ist jedoch weiterhin handwerkliches Können und Erfahrung erforderlich.

Automatisierung erhöht gleichzeitig die Bedeutung technischer Qualifikationen sowie der Kenntnisse von Qualitäts- und Sicherheitsnormen.

 

Welche Folgen der Fachkräftemangel für die Branche haben kann

Der anhaltende Mangel an Schweißern und Stahlbaumonteuren kann in den kommenden Jahren mehrere Auswirkungen auf den industriellen Arbeitsmarkt haben.

Zum einen lässt sich in einigen Spezialisierungen ein schrittweiser Anstieg der Löhne beobachten, insbesondere in Projekten mit hohen Qualifikationsanforderungen oder bei Arbeiten an großen Stahlkonstruktionen.

Zum anderen nimmt die Mobilität der Arbeitskräfte innerhalb Europas zu. Immer mehr Industrieprojekte werden mit internationalen Teams umgesetzt.

Darüber hinaus investieren viele Unternehmen stärker in Ausbildung und Qualifizierung, da es schwieriger wird, bereits vollständig ausgebildete Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt zu finden.

Gleichzeitig versuchen viele Länder, mehr junge Menschen für industrielle Berufe zu gewinnen – etwa durch den Ausbau der beruflichen Ausbildung und durch spezielle Qualifizierungsprogramme.

 

Fazit

Der Mangel an Schweißern und Stahlbaumonteuren in Europa ist kein kurzfristiges Phänomen. Er ergibt sich aus dem Zusammenspiel demografischer Veränderungen und einer steigenden Nachfrage nach Fachkräften in Infrastruktur- und Energieprojekten.

In vielen europäischen Ländern gehören Berufe im Bereich Schweißtechnik heute zu den am stärksten nachgefragten Tätigkeiten in der Industrie. Es ist daher wahrscheinlich, dass diese Situation auch in den kommenden Jahren bestehen bleibt, da sowohl der Generationenwechsel als auch neue industrielle Investitionen weiterhin zusätzlichen Bedarf an qualifizierten Fachkräften erzeugen werden.

 

Quellen und Marktbeobachtungen

EURES – Report on Labour Shortages and Surpluses in Europe
https://www.ela.europa.eu

Cedefop – Skills Forecast and Labour and Skills Shortage Index
https://www.cedefop.europa.eu

Barometr Zawodów 2026 – Ministerstwo Rodziny, Pracy i Polityki Społecznej
https://barometrzawodow.pl

Bundesagentur für Arbeit – Fachkräfteengpassanalyse
https://statistik.arbeitsagentur.de

NAV Norway – Bedriftsundersøkelsen 2025
https://www.nav.no